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Rückblick zum WordCamp Retreat 2018 in Soltau

Das WordCamp Retreat 2018 in Soltau ist vorbei. Das erste WordCamp seiner Art bestach insbesondere durch den viel näheren Kontakt mit anderen, da alle im selben Hotel waren, unweit der Location (denn das Hotel war die Location). Über den Tag waren mehrere Aktivitäten verstreut, die nichts mit Sessions oder WordPress überhaupt zu tun haben mussten (bzw. hatten). Dadurch haben sich auch einmal Menschen zusammengetan, die eventuell nicht alle dieselben Interessen zu WordPress, möglicherweise aber andere Hobbys miteinander teilen.

Hotel Park Soltau Eingang

Auch zu diesem WordCamp möchte ich wieder meinen eigenen Eindruck loswerden, schließlich kann es in diesem Blog nicht immer nur um Entwicklungsthemen gehen… 🙄

Die Sessions

The Hitchhiker’s Guide to the WordPress Coding Standards

Trotz Anspielung an den Film „Per Anhalter durch die Galaxis“, welche letztendlich spontan dann doch keinen Platz mehr in der Präsentation gefunden hatte, gab Thorsten Frommen einen sehr übersichtlichen und hilfreichen Einstieg in Coding Standards an sich und in WordPress Coding Standards im Speziellen. Wer sich bisher nur teilweise oder noch gar nicht mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat, konnte hier in einer offenen und sehr gut vorgetragenen Präsentation einiges Neues erfahren.

WordPress.org – Under the Hood

Da ich die DSGVO-Session bereits zum WordCamp in Köln 2017 in Erinnerung hatte und dort bereits durch sehr spezifische Fragen der Allgemeinheit weniger geholfen werden konnte, als von mir erhofft, habe ich diese zugunsten der Session „WordPress.org – Under the Hood“ ausfallen lassen.

Dort ging es darum, welche Systeme es unter WordPress.org alle gibt – das sind tatsächlich eine ganze Menge – und wie diese gepflegt werden. Die gute Nachricht: Mittlerweile ist hier fast alles bereits Open Source. Am Beispiel der Supportforen zeigt sich auch, wie innerhalb von anderthalb Jahren das zehnfache an Commits angesammelt haben und daher die Weiterentwicklung wesentlich aktiver vorangetrieben werden konnte.

WordPress breaks time (and how to fix it)

Meine Erwartungen an diesen Beitrag war es eigentlich, Möglichkeiten zu finden, um die Arbeit mit und in WordPress effizienter zu gestalten. Doch weit gefehlt, so war der Beitrag von Andrey „Rarst“ Savchenko doch genau das, was auch im Titel steht: ein Beitrag dazu, wie WordPress die Zeit kaputt macht. Genauer ging es darum, dass bestimmte WordPress-Funktionen Zeitzonen nicht oder nicht korrekt beachten und es daher zu falsch angezeigten Zeitangaben kommt. Auch wenn man nicht so tief in der Materie steckte wie Andrey, so konnte man ihm inhaltlich sehr gut folgen und einiges daraus lernen.

Wie man Themes und Plugins weniger schlecht entwickelt

In der letzten Session am Freitag, die ich besuchte, stellte Heiko Mamerow seine Arbeitsweise vor, wie man Themes und Plugins – insbesondere im Team – koordiniert entwickelt, um durch eine einheitliche Entwicklung in puncto Sicherheit, Verständlichkeit und Fehleranfälligkeit selbige zu verbessern. Definitiv mitgenommen habe ich, dass es viele unterschiedliche Varianten und Möglichkeiten gibt, das umzusetzen.

Barcamp-Sessions

Multi-Network

In Interview-Atmosphäre stellte Simon Kraft dem Core Committer Felix Arntz viele Fragen rund um Multi-Networks, also Multisites innerhalb von Multisites. Dabei nahm Simon die Session gleich noch für seinen Podcast auf KrautPress auf, gleichwohl hatte man jedoch die Gelegenheit, über ein drittes Mikrofon Fragen zu stellen. Felix stellte hier das Thema konsequent gut vor, sodass man – auch wenn man so wie ich den Begriff weder gehört noch die Funktionalität genutzt hat – einen guten Eindruck davon bekommen hat, was man erwarten kann.

Menschen für die Community begeistern und halten

In seinem interaktiven Vortrag stellte Robert Windisch die Frage, wie man Menschen näher an die Community bekommt, auf WordCamps, Meetups oder auch zur Contribution. Daraus kristallisierte sich eine rege Diskussion, wie man generell neue, Anwender wie bereits Interessierte, in die Community bekommt. Bemerkt wurde hier, dass es ziemlich unterschiedlich ist und man viele Möglichkeiten hat, um mehr Personen zu Meetups zu bekommen, dort wiederum auf die Contribution und WordCamps aufmerksam machen kann.

Als Ergebnis konnte sich jeder das mitnehmen, was er wollte. Wenn man aktiv werden möchte, kann man das gerne tun. Letztendlich ist alles freiwillig, aber sicherlich ist es für die Community hilfreich, wenn man auch andere auf ebenjene aufmerksam macht.

How to Create Docs that Rocks

Für mich persönlich sehr wichtig war die Barcamp-Session von Kat Christofer, der „Head of Documentation“ bei WooCommerce. Da ich auf der Arbeit auch des öfteren an Dokumentationen sitze, hat es mich sehr interessiert, wie dies umgesetzt wurde. Zudem habe ich Kat die letzten beiden Abende bereits kennengelernt und hatte sehr viel Spaß bei sämtlichen Gesprächsthemen mit ihr. Es war sehr spannend, einmal die Gedanken hinter dem Aufbau einer Dokumentation zu sehen, egal ob für Endanwender oder für Entwickler. Hierbei konnte ich mir definitiv einiges mitnehmen, das ich selbst für zukünftige Dokumentationen – oder bei Reviews vorhandener – nutzen kann.

Contribution Time

Anders als bei WordCamps üblich, bei welchen der Contributer Day in der Regel der Freitag vor dem WordCamp-Wochenende ist, war er in Soltau etwas aufgeteilt, sodass jeder daran teilnehmen konnte. Die erste Session war am Samstag von 9:30 Uhr bis 12:15 Uhr. Die zweite von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr, wobei zeitgleich hier auch das Barcamp stattfand.

Für mich war es die erste „Contribution Time“, an der ich teilnehmen konnte. Entschieden habe ich mich für den Slot „Community“ entschieden, in dem die Themen geteilt wurden. Zuerst wurde darüber gesprochen, wie man erfolgreich ein Meetup gründet und auch am Leben hält – insbesondere dass die Besucher wiederkommen. Dieser Teil war für mich nicht unmittelbar relevant, da in Stuttgart das Meetup sehr gut läuft und ich dort nicht noch eins gründen muss.

Im zweiten Teil ging es darum, über eine eigene Entität für die deutsche WordPress-Community zu diskutieren, um einen soliden öffentlichen Auftritt zu haben und eine bessere Präsenz gegenüber Sponsoren. Kernprobleme, die aktuell dabei bestehen, sind zum einen die Präsenz gegenüber Sponsoren, sowohl bei der Ansprache als auch bei der Rechnungsbegleichung, da selbige aus Kalifornien von der WordPress Foundation kommt und daher stets Geld in die USA überwiesen werden müssen, was auch zusätzliche Gebühren beinhaltet. Zum anderen ist das Problem bei sämtlichen anderen Ansprechpartnern wie beispielsweise bei Hostern, dass dort keine legale Entität die als Vertretung von WordPress aktiv werden kann, da dies explizit verboten ist.

Ein konkretes Ergebnis gab es hierbei nicht, es wurden allerdings einige Argumente gesammelt und insbesondere dahingehend argumentiert, dass viele dieser Probleme auch auf andere Wege lösbar sind, insbesondere vor dem Hinblick, dass die WordPress Foundation gegen eine solche neue Entität ist und ohne deren Einwilligung viele Privilegien verloren gingen.

Organisation und Technik

Direkt bei der ersten Session erst einmal technische Probleme, das will keiner. Leider hat sich dadurch alles etwas verzögert, da die Video-Funktion noch nicht so wollte wie wir alle wollten. Zudem gab es im größten Saal leider ständig ein Hintergrundpiepen. Auch in der zweiten Session gab es aufgrund eines nicht funktionierenden Beamers leider eine Verzögerung.

Danach ging es dann aber bergauf. Weitere Pannen oder Probleme habe ich zumindest nicht mitbekommen, es lief alles einwandfrei. Auch WLAN war praktisch durchgängig vorhanden.

Von der Organisation sonst habe ich nicht viel mitbekommen, was eigentlich nur bedeuten kann, dass sie gut war. Von meiner Seite aus hier ein Lob an das ganze Orga-Team und auch an die Volunteers! 🎉

Die Community

Sehr wichtig bei jedem WordCamp und insgesamt bei WordPress ist natürlich die Community. Wie auch schon bei den letzten WordCamps bin ich jedes Mal wieder fasziniert, wie gut das alles funktioniert. Der Code of Conduct wird wunderbar eingehalten, selbst hitzige Diskussionen arten nicht aus und werden zivilisiert und ruhig geklärt bzw. diskutiert.

Auch die Offenheit eines jeden einzelnen ist immer wieder schön zu sehen. Man kann selbst zu den „großen Persönlichkeiten“ einfach hingehen, sie ausfragen und sie stehen einem eigentlich immer Rede und Antwort – auch wenn vermutlich bereits 10 andere dasselbe gefragt haben.

Die After Party habe ich ehrlicherweise ausgelassen und habe mich lieber dafür entschieden, eine von rund 10 Personen zu sein, die am nächsten Morgen zeitig das Frühstück aufsuchen konnten.

Insgesamt war die Atmosphäre also wieder wie ich es bisher von anderen WordCamps kannte: offen, freundlich und überaus witzig!

Location und Catering

Hotel Park Soltau Panorama innen

Der Hotel Park Soltau liegt etwas abgelegen nördlich von Soltau bei einem Wäldchen, man hat also Natur pur! Die Ausstattung ist für ein 3-Sterne-Hotel vollkommen in Ordnung, positiv hervorzuheben sind die an vielen Stellen anzufindenden LAN-Buchsen, wodurch man das etwas langsamere WLAN durch effizientes Internet aus der Dose austauschen kann.

Der Schnitt des Parks ist erst einmal etwas irritierend, man braucht demnach etwas, um sich zurecht zu finden. Schnell merkt man jedoch, dass es gar nicht so schwierig ist und man schnell an sein Ziel kommt – meistens die Session-Räume, das Buffet oder die Terrasse.

Das Catering war inhouse, also direkt beim Hotel Park Soltau gebucht und immer in Buffet-Form. Die Auswahl war reichlich und sehr schmackhaft, ich hätte auch den ganzen Tag essen können… 🙈

Ich habe mich zu jeder Zeit wohl gefühlt, man wird von allen Angestellten freundlich begrüßt und nett behandelt, selbst die Reinigungskräfte sind hier keine Ausnahme. Zudem war alles sauber und gut gepflegt. Auch außerhalb eines WordCamps kann man hier gerne einmal hinkommen.

Fazit und Ausblick

Ein ganzes Wochenende plus Donnerstag und Freitag, also insgesamt vier Tage, für ein WordCamp sind schon eine Ansage. Entsprechend anstrengend war es auch für mich, in allen Sessions die Konzentration zu halten, jeden morgen zeitig aufzustehen und den inneren Schweinehund zu überwinden. Dennoch hat es sich vollständig gelohnt! Ich habe sehr viel mitgenommen, sowohl technische Dinge als auch viel von anderen, für mich neue Gesichter. Das ist es, was für mich ein WordCamp ausmacht und trotz etwas Skepsis im Voraus, ob ein Retreat-Format funktioniert, kann ich sagen, dass es sehr viel Spaß gemacht hat. Für mich hat es funktioniert! 🙂

Das nächste WordCamp in Deutschland steht bereits in den Startlöchern. Am 22. September 2018 findet das WordCamp Würzburg für bis zu 100 Personen statt. Dort wird es sicherlich eine ähnliche Atmosphäre gehen. Jeder, der die Möglichkeit hat, dorthin zu gehen, sollte es sich nicht entgehen lassen!

5 Gedanken zu „Rückblick zum WordCamp Retreat 2018 in Soltau

  1. Das beste WordCamp bisher, meiner Meinung nach! 😃 Ein sehr schöner Rückblick, wobei noch zu erwähnen ist, dass wir richtig viel Glück mit dem Wetter hatten. Es gab die vier Tage (gefühlt) kein einzigen Wölkchen am Himmel. ☀️

    1. Stimmt, das super Wetter habe ich gar nicht erwähnt…

  2. Hey, schöner Beitrag! Danke fürs Schreiben und Teilen.
    …und interessanterweise waren wir am ersten Tag in exakt den gleichen Sessions! 😀
    Freut mich auf jeden Fall auch sehr, dass dir mein nicht-ganz-so-Hitchhiker-lastiger Vortrag zu den Coding Standards gefallen und etwas gebracht hat!

    1. Danke dir! Gerne wäre ich auch noch zu deiner Barcamp-Session gekommen, die werde ich definitiv noch auf WordPress.tv nachholen!

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